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Frauen (und Männer) in der Kurve

Büchertipp:

KOS-Schriften 10
gender kicks.
Texte zu Fußball und Geschlecht.

Antje Hagel, Nicole Selmer, Almut Sülzle (Red.).

Herausgegeben von der Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der Deutschen Sportjugend: Frankfurt a.M., 2005.

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Der Umgang mit sexistischer Diskriminierung im Stadion ist für weibliche Fans sehr schwierig, gerade weil Sprüche von „Wo ist denn dein Freund?“ oder „Erklär doch mal Abseits“ bis zu „Auszieh’n, auszieh’n“ quasi zum guten Ton gehören. Frauen, die regelmäßig ins Stadion gehen und dort ihre festen Bezugsgruppen haben, fühlen sich in der Regel zwar anerkannt und respektiert, aber auch sie müssen Kämpfe austragen und haben sich meist eine dicke Haut zugelegt. Kleine Einblicke in die Geschlechterverhältnisse der Fußballszene liefert der Film „Gate Eight“ über die Ultras Nürnberg, aber auch Interviews und Texte in den (wenigen) Büchern zum Thema.

Ein Weg zur Stärkung der eigenen Position kann auch darin bestehen, Fußball in rein weiblichen Gruppen zu (er-)leben, seien es informelle Freundinnengruppen oder auch offizielle Frauen-Fanklubs, die es mittlerweile bei einer ganzen Reihe von Vereinen gibt und die zum Teil mit eigenem Banner im Stadion sichtbar sind. Wie gut das funktionieren kann, erfährt man zum Beispiel auf der Website der Aachener TivoliTussen in der Rubrik „Über uns“:

„Bisher war jede für sich alleine auf dem Tivoli und Auswärts unterwegs. Nun machen wir Tussen dies mit viel Spaß und Freude gemeinsam. Der erste große Wunsch war eine eigene Zaunfahne, die dann zum ersten Mal beim Spiel gegen Aue zum Einsatz kam. Natürlich in Rosa, was bei einigen Herren der Schöpfung zuerst fast einen Infarkt auslöste *gg*. Mittlerweile war sie mit uns beinahe auf jedem Auswärtsspiel dabei und Man(n) gewöhnt sich doch so langsam daran.“

Auf Workshops, Austausch und Aktionen setzt das Netzwerk F_in Frauen im Fußball www.f-in.org, in dem sich Frauen aus verschiedenen Bereichen des Fußballs (Fangruppen, Fan-Projekte, Journalismus, Forschung usw.) zusammengeschlossen haben. Die sozialpädagogisch arbeitenden Fan-Projekte treten zum Teil mit spezifischen Angeboten für Frauen und Mädchen an, das kann die eigene Frauentoilette im Zug bei der Auswärtsfahrt sein, ein Diskussionsabend oder auch Angebote zum aktiven Fußballspiel für weibliche Fans. Auch die Vereine selbst können ganz einfach Zeichen gegen sexistische Diskriminierung setzen, indem sie sie in ihrer Stadionordnung benennen. Textvorlagen hierzu liefern der FC St. Pauli oder SV Babelsberg 09. Auch das Bündnis aktiver Fußballfans hat „Fußball und Geschlecht“ zu einem seiner Themen gemacht und sorgt so für größere Sensibilisierung. – Diese Beispiele zeigen, dass Sexismus nicht als „Frauenproblem“ betrachtet werden muss, sondern das Eintreten dagegen durchaus auch Anliegen männlicher Fans und Funktionäre sein kann.

Eintrittrkarte aus Babelsberg. Zum vergrößern bitte anklicken.

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