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Rassismus im Ligaalltag

Aufkleber gegen Rechts


Bayern München (Quelle: FC Bayern Fanclub „D`Mendlschpizer Offingen“)


Schalke 04 (Quelle: Schalker Faninitiative)


1860 München (Quelle: Löwenfans gegen Rechts)

Nicht nur die Länderspiele der Nationalmannschaft, auch die Vereinsligen wurden in den 80er-Jahren verstärkt zum Anlaufpunkt rechter Gruppen, und es kam zu Politisierungen von Teilen der Fanszene. Zunehmend wurden in den Stadien rassistische Parolen hör-, entsprechende Aufnäher und Schals sichtbar. Die Ventilfunktion des Fußballs tat ein Übriges, hier konnte ausgelebt werden, was ansonsten vielleicht nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wurde. Aufmerksamkeit fand die Überschneidung von Fußballfans und Rechten vor allem dort, wo sie auch gewalttätig und nicht nur „stumm“ rassistisch wurde – eine breitere Thematisierung des Rassismus im Fußball, zumal mit diesem Begriff, blieb aus. Berüchtigte Fanklubs aus dieser Zeit, teilweise auch mit Verbindungen in die parteipolitische Rechte, sind beispielsweise die Dortmunder „Borussenfront“ oder „Die Löwen“ aus Hamburg. Eine Rekrutierung rechtsextremer Organisationen in den Stadien findet spätestens seit dieser Zeit statt, ist aber bis heute nicht so erfolgreich, wie von den Initiatoren erhofft. Das liegt wohl auch daran, dass das Gemeinschaftserlebnis, das viele Fans im Fußball suchen, mit straffer parteilpolitischer Organisation nicht gut zu verbinden ist, selbst wenn eine ideologische Nähe besteht. An vielen Fußball-Standorten konnte auch die Arbeit der Fan-Projekte, seit 1993 unter dem Dachverband der KOS (www.kos-fanprojekte.de) organisiert, ihren Teil beitragen und insbesondere jugendlichen Fans mit sozialpädagogischen und gewaltpräventiven Angeboten gewinnen.

Die Beobachtung Gerald Asamoahs, dass offener Rassismus – zumindest in der 1. Bundesliga – in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren spürbar zurückgegangen ist, entspricht dem Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zum Zuschauerverhalten im Profifußball unter Leitung von Professor Pilz von der Uni Hannover. Entwarnung können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dennoch nicht geben, sie konstatieren vor allem eine Verlagerung „in das Umfeld der Stadien und in die unteren Ligen“. Außerdem seien Rassismus und Rechtsextremismus mittlerweile verdeckter und weniger sichtbar, etwa durch subtilere Codes wie bestimmte Kleidungsstile und Modemarken. In Teilen der Fanszene hat sich im Zuge der breiteren Thematisierung und Ächtung von rassistischen Parolen, Urwaldgeräuschen gegenüber schwarzen Spieler, Bananenwürfen usw. die Ansicht durchgesetzt, dass dieses Verhalten dem eigenen Verein schadet und deswegen unterbleiben sollte. Rassistische Vorurteile über nicht-deutsche bzw. nicht-weiße Spieler werden weniger lautstark geäußert, sind aber, so auch die Ergebnisse der Studie, weiterhin sehr verbreitet. Dazu gehören auch häufig verwendete Redewendungen zu vermeintlich naturgegebenen ethnischen Stereotypen, sei es der „verschlagene Südländer“ oder der „verspielte, aber undisziplinierte Afrikaner“, die nicht zuletzt über die Medien transportiert werden.

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