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... ... Rassismus Im rechten Schatten der Nationalmannschaft

Im rechten Schatten der Nationalmannschaft

In WM-Aufgebot der Nationalmannschaft standen mit David Odonkor, Oliver Neuville, Miroslav Klose und Lukas Podolski neben Asamoah noch weitere Spieler mit migrantischem Familienhintergrund. Eine bis dahin für deutsche Verhältnisse unerreichte multikulturelle Mischung, wenngleich ein türkischstämmiger Repräsentant der größten Einwanderergruppe fehlte. Die überschwängliche Identifikation in der Bevölkerung gerade mit diesem Team ist alles andere als selbstverständlich: Denn rund um die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft entwickelte sich seit den 80er-Jahren eine teilweise gut organisierte rechtsextreme und gewalttätige Gefolgschaft. Auswärtsspiele der DFB-Elf in Frankreich, Belgien oder den Niederlanden wurden unter „Wir sind wieder einmarschiert“-Parolen zur Demonstration nationalistischer Einstellungen, vor einem EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei 1983 in Berlin wurden Fans aller Vereine „zum Kampf gegen die Kanaken“ aufgefordert. Von gewaltsamen und rechtsextremen Ausschreitungen waren auch Welt- und Europameisterschaften nicht ausgenommen, bei denen sich ebenfalls verfeindete rechte Hooligangruppen zusammenschlossen.

Quelle: Tatort Stadion

Vorschub war den rechten Tendenzen im Fußball über viele Jahre hinweg von höchster Stelle geleistet worden. Die Art und Weise, in der der DFB nationalistische bis rechtsextreme Einstellungen stützte oder sich zumindest nicht davon distanzierte, ist gut dokumentiert: Als Beispiele seien hier etwa der Empfang des überzeugten Nazis und Wehrmachtoberst Hans-Ulrich Rudel im WM-Trainingslager 1978 in Argentinien (und bereits 1958 in Schweden) und die gleichzeitige Weigerung, sich kritisch mit dem argentinischen Regime auseinanderzusetzen, genannt. Zusammenfassend schreibt Dietrich Schulze-Marmeling 1993 in „Fußball und Rassismus“: „Der DFB wurde viele Jahre lang von Präsidenten geführt, deren politische Gesinnung rechts von der offiziellen Linie der konservativen Volkspartie CDU anzusiedeln war.“

In den frühen 90er-Jahren waren Überfälle auf Asylbewerber und die mediale Beschwörung einer „Ausländerschwemme“ fast an der Tagesordnung. Im Fußball war der aggressive gesellschaftliche Rechtsruck durch die mit Reichskriegsflaggen und rassistischen Ausschreitungen zelebrierten „Feiern“ des WM-Titels von 1990, des Jahres der Wiedervereinigung, eingeläutet worden. Ein weiterer trauriger Höhepunkt wurde 1996 beim Freundschaftsspiel zwischen Polen und Deutschland in Zabrze erreicht, als im deutschen Block ein Transparent mit der Aufschrift „Schindler-Juden wir grüßen euch“ hochgehalten wurde. Verbote etwa der Reichskriegsflagge und anderer Symbole, stärkere Kontrollen und mehr kritische mediale Aufmerksamkeit sowie eine bessere Fanbetreuung rund um die Länderspiele haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die rechtsextremistischen und rassistischen Ausfälle abgenommen haben. Insbesondere bei den Auftritten der deutschen Nationalmannschaft in Osteuropa, wie 2005 in Celje (Slowenien) und Bratislava (Slowakei), zeigt sich jedoch, dass die rechts eingestellten und gewaltbereiten „Begleiter“ der DFB-Elf noch immer da sind und sich weiterhin zu organisieren wissen.

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