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... Themenfelder Antisemitismus Jüdische Vereine in Deutschland

Jüdische Vereine in Deutschland heute

Jüdische Spieler, Fans oder Funktionäre sind in Deutschland nach 1945 nur noch sehr wenige zu finden. Der Antisemitismus im Fußball kommt, wie Martin Endemann von BAFF (Bündnis aktiver Fußballfans), der sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat, schreibt, „heutzutage weitgehend ohne Juden aus“. Dort, wo sie präsent sind, tritt er jedoch ebenfalls auf. Ein Beispiel dafür ist Tennis Borussia Berlin, ein deutscher Verein, der auch nach Holocaust und Zweitem Weltkrieg jüdische Funktionäre hatte wie den über den Fußball hinaus bekannten Showmaster Hans Rosenthal oder den Musikproduzenten Jack White. Insbesondere in den 90er-Jahren, als der Verein, von einem finanzkräftigen (aber dubiosen) Sponsor ausgestattet, recht erfolgreich in Regional- und 2. Liga spielte, häuften sich die antisemitischen Schmähungen und Anfeindungen, die bis heute – TeBe spielt derzeit in der Oberliga – nicht verstummt sind.

Makkabi Berlin, Quelle: Makkabi Berlin

Weiter unten im Amateurbereich angesiedelt sind die rund 30 Vereine von Makkabi Deutschland www.makkabi.com, dem jüdischen Turn- und Sportverband. Der größte und bekannteste im Fußballbereich ist der FC Makkabi Berlin, dessen 1. Mannschaft in der Verbandsliga antritt. Nicht nur Juden sind bei Makkabi Berlin aktiv, der Verein ist offen für alle Religionen, Hautfarben und Ethnien. Die antisemitischen Diskriminierungen, denen Makkabi-Mitglieder, gleich welcher Glaubensrichtung, ausgesetzt sind, gerieten durch ein Spiel zwischen dem FC Makkabi Berlin und VSG Altglienicke im September 2006 ins öffentliche Blickfeld: Der Schiedsrichter der Partie ging trotz mehrfacher Aufforderung nicht gegen antisemitische Pöbeleien von den Zuschauern vor, die Makkabi-Spieler verließen schließlich den Platz, das Spiel wurde abgebrochen. Es gab ein großes Medienecho, unter anderem auch, da in der gleichen Zeit über rassistische Vorfälle in Bundesliga und DFB-Pokal berichtet wurde. Das Urteil des Sportgerichts gegen Altglienicke fielt mit zwei „Geisterspielen“, Ordnerverstärkungen und Antirassismus-Kurs eher milde aus, der Schiedsrichter wurde zunächst lebenslang gesperrt, ein halbes Jahr später, als die Wogen sich geglättet haben, jedoch wieder begnadigt. In dem Buch von Ronny Blaschke Im Schatten den Spiels beschreibt Tuvia Schlesinger, Präsident vom FC Makkabi, ermutigende Reaktionen auf die Ereignisse, stellt aber auch Forderungen an den Verband nach Maßnahmen in den unteren Ligen:

Wir haben viele positive Mails bekommen von Vereinen, von Parteien. Ich hatte das Gefühl, dass auch die Schiedsrichter sensibilisiert worden sind. Ich weiß nicht, wie lange das anhalten wird. […] Auch Fußballverbände haben eine politische Verantwortung. Da müssen Mannschaften, deren Zuschauer oder Spieler sich rassistisch oder antisemitisch äußern, aus dem Spielbetrieb genommen werden. […] Wir brauchen in der Kreisliga keine Fanprojekte wie in den Profiligen. Bei uns müssen die Funktionäre und die Schiedsrichter geschult werden.

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