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Vergessene Geschichte

Plakat: Kicker Kämpfer Legenden
Quelle: Centrum Juadaicum, Berlin

Die Identifikation ganzer Vereine als „Judenklubs“ greift ironischerweise mitunter auf eine Geschichte zurück, die lange verdrängt war, nämlich den Beitrag jüdischer Spieler, Trainer oder Funktionäre für den deutschen Fußball. Ob Walther Bensemann, Journalist und Gründer des Kicker, Kurt Landauer, der langjährige und sehr erfolgreiche Präsident des FC Bayern, und sein Trainer Richard Dombi oder Aktive wie Gottfried Fuchs und Julius Hirsch – Juden spielten in der Geschichte des Fußballs in Deutschland vor der Zäsur 1933 eine relevante Rolle, die erst nach und nach aufgearbeitet und gewürdigt wird. Veröffentlichungen wie der von Dietrich Schulze-Marmeling herausgegebene Sammelband „Davidstern und Lederball“ oder Bernd Beyers Biografie zu Walther Bensemann leisten hier wichtige Beiträge ebenso wie verschiedene Ausstellungen aus dem Jahr 2006: „Kick it like Kissinger“ und „Verdient und doch vergessen. Elf Juden im deutschen Fußball“ in den Jüdischen Museen in Frankfurt am Main und Berlin sowie „Kicker, Kämpfer, Legenden. Juden im deutschen Fußball“ im Centrum Judaicum in der Neuen Synagoge in Berlin. Auch die Stiftung des Julius-Hirsch-Preises durch den DFB im Jahr 2005, mit dem das Andenken des ermordeten deutschen Nationalspielers geehrt und ein Zeichen „gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen auf dem Fußballplatz, im Stadion und in der Gesellschaft“ gesetzt werden soll, ist hier zu erwähnen.

Zur lange vergessenen Geschichte gehört auch die Historie deutscher Fußballvereine während der Jahren zwischen 1933 und 1945 und deren Nachwirkungen. Erst in den vergangenen Jahren begann die Aufarbeitung der Verwicklung des deutschen Fußballs in den Nationalsozialismus. Manche Vereine und Verbände – wie etwa Schalke 04 und der DFB – gaben selbst Studien in Auftrag, andere Klubs unterstützten entsprechende Vorhaben, wie zum Beispiel der Hamburger Sport-Verein, in dessen vereinseigenem Museum bis August 2008 eine Ausstellung über die „Raute unter dem Hakenkreuz“ präsentiert wird. Einen Überblick über die bisher erschienenen deutschen Publikationen zum Thema „Fußball und Nationalsozialismus“ finden Sie außerdem in unserer Literaturauswahl.

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