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Am Ball bleiben Themenfelder Antisemitismus Nur ein Schimpfwort

Nur ein Schimpfwort

Quelle: Stadionwelt

In Diskussionen etwa in Fanforen oder bei Veranstaltungen über die Bezeichnung „Juden“ als Beschimpfung für Vereine, Fans oder Schiedsrichter tauchen bestimmte Rechtfertigungen immer wieder auf: „Das ist doch ganz üblich, das haben wir/die immer schon gemacht.“ und „Das ist doch nur ein Schimpfwort.“ In solchen Aussagen drückt sich eine typische, kurzsichtige Argumentation aus – denn zum „ganz normalen“ Schimpfwort wie Arschloch oder Drecksack wird das Wort „Jude“ eben erst durch den Willen zur Beleidigung und Diffamierung und die langjährige Tradierung antisemitischer Muster. In ganz ähnlicher Weise wenngleich natürlich vor einem anderen Hintergrund können auch „Lesbe“, „Schwuler“ oder „Mädchen“ im Fußballkontext als Beschimpfungen gemeint und verstanden werden.

Diese Deutungsmöglichkeiten haben sich manche Fans aber auch positiv zunutze gemacht: Ajax Amsterdam und Tottenham Hotspur gelten beide als „Judenklubs“ und wurden, wenngleich zumindest Tottenham keine ausgeprägten jüdischen Wurzeln vorweisen kann, entsprechend mit Gesängen gegnerischer Fans verunglimpft. In beiden Fällen kehrten die Fans die als Beschimpfung gemeinten Namen jedoch in ihr Gegenteil um, bezeichneten sich selbst stolz als Juden, präsentieren Israel-Fahnen und Davidsterne. Einer der Höhepunkte der Yiddo-Kultur bei Tottenham war der Jürgen Klinsmann gewidmete Gesang: „Chim chiminee, chim chiminee, chim chim churoo, Jürgen was a German, but now he’s a Jew!“

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